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PETER FRANKENFELD
Der Pionier des Unterhaltungsfernsehens
Eine Hupe gab es in seinem Auto nicht - stattdessen eine Straßenbahnklingel.
Im Treppenhaus zu seiner Frankfurter Dachwohnung stand ein Spielautomat,
und auf dem Weg zur Haustür hingen Emailleschilder wie "Spucken
untersagt", "Danken Sie der Toilettenfrau" oder "Vor
Taschendieben wird gewarnt", die er sich irgendwo abgeschraubt
hatte. Als der ehemalige "eiserne Junggeselle" dann mit
Ehefrau Lonny in ein Haus auf dem Dorf zog, begann er, einen Mischwald
mit elftausend (!) Bäumen anzupflanzen. Viele der Gewächse
wurden von ihm regelmäßig gestreichelt und mit "Sie"
angeredet. Auch seine Tiere - Schweine, Ziegen, Gänse und Hühner
- behandelte er individuell: "Erst dachte ich: Das ist ja ein
Tierquäler", erinnerte sich Bandleader Max Greger. "Wenn
eine Ente laut quakte, dann nahm er sie in die Hand und gab ihr
links und rechts eine: ´Ich werde dir helfen.` Doch der Gänserich
war so dressiert, dass er alles mitmachte, es war nur Schein. Selbst
die Tiere wurden in seine Gags mit einbezogen."
Oft foppte er Kollegen mit ungewöhnlichen Scherzen
Peter Frankenfeld war auch im Privatleben ein außergewöhnlich
origineller, kreativer Mensch. Nach den Vorstellungen zauberte er
gern am Tisch. Oft ließ er sich auch kleine Scherze für
Kollegen einfallen. So drehten seine Frau und er im Hotelzimmer
von Gitta Lind beispielsweise alle Glühbirnen heraus und ersetzten
sie durch Foto-Blitzlampen. Was immer sie auch einschaltete, sofort
stand sie wieder im Dunkeln. Während einer Tournee bat Frankenfeld
die Kollegen, ihn mit dem Bus zuhause abzuholen, wo er übernachtet
hatte, als man in der Nähe gastierte; als Dank würde er
allen um elf Uhr ein zweites Frühstück servieren. Doch
als Caterina Valente dann klingelte, tat sich erstmal gar nichts.
Einige Minuten vergingen, bis Frankenfeld mit Rasierschaum und wirrem
Haar das Badezimmerfenster öffnete: "Ja bitte? Was ist
denn?" Dann zuckte er zusammen: "Lonny, du meine Güte,
das zweite Frühstück, was tun wir jetzt? Wartet bitte
einen kleinen Moment, wir öffnen." Kurz darauf stand er
dann im Anzug vor der Tür und verteilte Essensbons, die er
später abknipste. Den Morgenmantel hatte er sich nur als Gag
über seinen Anzug gezogen.
Der Sohn eines Mechanikermeisters und einer Tabakverkäuferin
war ein Experte für unerwartete, beiläufig gesetzte Pointen
und ein gekonnter Improvisator. Vor allem diese beiden Eigenschaften
waren es wohl, die ihn zum beliebtesten Unterhalter der fünfziger
und sechziger Jahre werden ließen. Vor dem Kartenvorverkaufshäuschen
versammelten sich bereits in der davorliegenden Nacht dutzende Fans.
Nachdem alle Karten verkauft waren, wurden auf dem leeren Kassenvorplatz
dann oft Knöpfe, Schnallen, Hüte, Gürtel, Schals
und sogar Strümpfe gefunden. Bilder eines Schlachtfeldes. Ein
Zuschauer schrieb dem Moderator einmal, dass bei seinem Chef, der
einen Fernseher besitzt, regelmäßig dreihundert Bekannte
vor dem Apparat säßen: "Wir sitzen hier nicht etwa
bei Sekt oder Bier, bei Kaffee und Kuchen, während Ihre Sendung
läuft, sondern im großen, kalten Bunker auf Bretterstühlen."
Shows wie "Viel Vergnügen" oder "Heute abend
Peter Frankenfeld" erreichten Rekord-Einschaltquoten von bis
zu sechsundachtzig Prozent! Auf der Beliebt-heitsskala, die regelmäßig
erforscht wurde, lagen Frankenfelds Auftritte in der Regel bei der
Höchstzahl zehn! Ende der fünfziger Jahre gab es Frankenfeld-Gipsköpfe,
eine Edelrosenzüchtung und fünfzig Zentimeter große
Frankenfeld-Puppen mit karierter Jacke und fliegender Untertasse.
Die fliegende Untertasse war zum Markenzeichen des Moderators geworden,
der bereits mit vierzehn zu einem Wanderzirkus durchgebrannt war
und später als Page, Zauberer, Schaufensterdekorateur, Maler,
Kabarettist, Stepptänzer und Karikaturist gearbeitet hatte:
Während alle anderen Moderatoren ihre Kandidaten vorher auswählten,
hatte Peter Frankenfeld in "1:0 für Sie" einfach
einen Kinder-Propeller ins Publikum geschossen, und wer Lust hatte,
konnte ihn fangen. Anschließend fragte er die auf die Bühne
Geeilten: "Sie machen auch alles mit? Alles?". Und dann
ließ er sie um die Wette Luftballons rasieren, mit Boxhandschuhen
Zigaretten anzünden oder versuchen, aus einer Tuba mindestens
drei Töne herauszupusten. Einmal wurden auch um die Wette Liegestühle
aufgebaut. Gerade bei letzterem Spiel hatte allerdings ein Einarmiger
den Propeller gefangen. Frankenfeld schaltete schnell: "Sie
sind Pförtner? Ist Ihr Chef im Saal?" Der Vorgesetzte
wurde auf die Bühne gebeten, und Frankenfeld schlug vor, dass
beide nun einmal die Berufe tauschen sollten: Der einarmige Pförtner
wurde in einen Sessel gesetzt und durfte zuschauen, wie sein Chef
die Liegestühle aufbaute und sogar gewann. Dem siegreichen
Vorgesetzten schlug Frankenfeld dann vor, den Preis an seinen Angestellten
abzutreten, "denn ohne den hätten Sie das Spiel nicht
mitmachen können". Das Publikum jubelte.
Ebenso spontan reagierte Frankenfeld, als ein Fänger auf die
Bühne kam und auf die Frage: Wie heißen Sie? antwortete:
"Ha ick vajessen". "Ach - ist ja ein merkwürdiger
Fall. Aber Ihren Beruf können Sie uns doch wenigstens sagen?",
setzte Frankenfeld das Gespräch fort. Darauf der auf witzig
machende Zuschauer: "Weeß ick nich!". Und Frankenfeld:
"So so - wahrhaftig ein interessanter Fall. Doch Sie können
bestimmt diese fliegende Untertasse abschießen?" Der
Mann tat es, ein anderer fing den Propeller, und Peter Frankenfeld
verabschiedete ihn: "Das wär´s, Herr Namenlos, was
ich von Ihnen wollte. Sie können wieder auf Ihren Platz zurückgehen."
"Mein Kalmückenblick machte mir vieles schwerer"
Manche Kritiker bezeichneten diese schlagfertige Art als hemdsärmelig,
ruppig und barsch. "Er war mir durchaus nicht auf den ersten
Blick sympathisch", erzählte der legendäre Reporter
Peter von Zahn in einem Spiegel-Interview: "Er schien mir etwas
grobkörnig und leicht schnodderig zu sein. Aber bald merkte
ich, wie locker und geschickt er die Leute anzupacken weiß.
Wie er nett zu ihnen ist, ohne sich über sie lustig zu machen.
Bei aller Überlegenheit und Geistesgegenwart ist er von einer
klassischen Simplizität und bekommt schnell Kontakt."
Auf Tourneen hatte Peter Frankenfeld oft den Portier gefragt, wovon
die Menschen in der Stadt leben, welche Firmen die bedeutendsten
sind. Anschließend nahm er Kontakt mit der Geschäftsleitung
auf und bat um eine Firmenführung. Auf diese Weise lernte er
nach und nach die verschiedensten Berufe kennen. War sein zufälliger
Kandidat dann mal ein Dreher, fragte er ihn: "Wie ist das,
arbeiten Sie in Ihrem Betrieb noch mit Witworth-Gewinde? Oder haben
Sie das alles auf DIN-Normen umgestellt?". Auch auf die Spiele
seiner Sendungen bereitete er sich sorgfältig vor. Jedes Spiel
probierte er im Vorfeld aus! "Mein Regisseur nannte das Fairness;
ich persönlich glaube, dass meine Ambition aus Neugier und
Spieltrieb gemischt ist", kommentierte er.
Wirkte sein Auftreten in der Regel spontan, so hatte es in Wirklichkeit
natürlich viel mit Organisation zu tun. "Peter liebte
Ordnung", schrieb Lonny Kellner-Frankenfeld. "Ich kann
es nicht leiden, wenn es auf meinem Schreibtisch aussieht wie bei
Hermann Löns im Rucksack", pflegte er zu sagen und handelte
danach. Er katalogisierte unsere über achttausend Bücher,
mehr als fünftausend Witze, ebenso viele Schallplatten, hunderte
von Tonbändern und überhaupt jede Sendung, die seiner
Feder entstammte."
Neben dieser guten Organisation verfügte er über etwas,
das unter Moderatoren eher die Ausnahme ist: Herzensbildung, die
nicht zur Schau getragen wird. Er war nicht nur der Erfinder der
Sondermarken (In der Show "Vergissmeinnicht" mussten Städte
erraten und die dazugehörigen Postleitzahlen addiert werden;
auf die Postkarte klebten die Zuschauer jeweils vier Wohlfahrtsmarken,
deren Erlös der Aktion Sorgenkind zugute kam), sondern auch
der Initiator von "Ein Platz an der Sonne":
Bei "1:0 für Sie" hatte er bei einer Moderation vierzehn
Briefe gezeigt, in denen er
von Privatleuten zu kostenlosen Urlauben eingeladen wurde: "Wir
haben durch Ihre Sendungen wieder lachen gelernt, und wir wünschten
uns, Ihnen danken zu dürfen". Frankenfeld zeigte seine
Freude darüber, sagte dann, wenn er alle Einladungen annähme,
"dann müsste ich Sie und mich um den Spaß bringen,
den wir gemeinsam mit dieser Sendung haben." Und dann kam er
zum Punkt: "Sorgen sollte uns etwas anderes bereiten. Hier
in Berlin leben viele Kinder, die noch nie ihre Ferien auf dem Land
verbringen konnten, die noch nicht einmal wissen, wie ein Pferd
oder eine Kuh aussieht, und diese Kinder brauchen dringender als
ich einen Platz an der Sonne." Nachdem der einsetzende Beifall
verebbt war, las er die Namen der Briefabsender vor und sprach sie
direkt an: "Ich wäre der glücklichste Mensch, wenn
Sie statt meiner ein Berliner Kind zu sich einladen würden.
Sie können uns anrufen und Einspruch erheben. Wenn bis zum
Ende der Sendung keine Absagen bei uns eingehen, teilen wir ihnen
mit, wann ihnen ein Berliner Ferienkind geschickt werden kann!"
Die Idee vom "Platz an der Sonne" zündete und wurde
zum geflügelten Wort. Fünfzig weitere Zusagen wurden während
der laufenden Sendung gegeben. In jeder weiteren Show nannte Peter
Frankenfeld die aktuelle Plätzezahl und die Höhe der Spenden,
die weitere Plätze ermöglichen sollten. Einige Monate
später entstand aus dieser Idee die Fernsehlotterie "Ein
Platz an der Sonne".
Neben "1:0 für Sie" und "Vergissmeinnicht"
moderierte Peter Frankenfeld mit "Toi, toi, toi" die erste
Talentshow des deutschen Fernsehens, in der u.a. das Medium Terzett
und Peter Beil ihren ersten Auftritt hatten - und auch der Autoverkäufer
Carl-Dieter Heckscher, der als Showsänger Karriere machen wollte,
dann jedoch zu Dieter-Thomas Heck wurde. Wiederholt werden all diese
schönen Sendungen aus einem sehr traurigen Grund nicht: Von
fast allen Frankenfeld-Großtaten sind keine Aufzeichungen
angefertigt worden - obwohl die technischen Voraussetzungen seit
1955 vorhanden waren!
1970 - nach der Absetzung von "Vergissmeinnicht" - wurde
es dann etwas stiller um Peter Frankenfeld. Im Alter von zweiundsechzig
Jahren feierte er dann jedoch noch einmal ein Comeback als Autor
und Moderator der Unterhaltungsshow "Musik ist Trumpf".
Insgesamt hat er über eintausendfünfhundert Fernsehsendungen
präsentiert, die meisten davon selbst konzipiert. Zusätzlich
war er in anspruchsvollen Theaterrollen wie 1968 in Max Frischs
"Biografie" oder als Molières "Tartuffe"
zu sehen.
Vor seiner Fernsehzeit - nach der Entlassung aus amerikanischer
Kriegsgefangenschaft - hatte Peter Frankenfeld zunächst als
Entertainer und Magier in amerikanischen Offiziersclubs gearbeitet.
1948 führte er als Pionier Quizsendungen nach angelsächsischem
Muster im deutschen Rundfunk ein. Noch größere Bekanntheit
erlangte er schließlich durch die Gestaltung beliebter Sendereihen
wie "Ab acht Uhr wird gelacht" (SDR), "Funk und Flachs"
(BR), "Der Frankfurter Wecker" (HR) und "Wer zuletzt
lacht" (NWDR). Vor der Kamera stand er dann erstmals 1952.
Im Privatleben hatte Peter Frankenfeld neben seinem Haus eine Privatkneipe
mit Stammtisch, Theke und Zapfsäulen errichtet. Dreiundvierzig
Jahre lang sei er Junggeselle gewesen und habe nachts in Kneipen
herumgestanden, erklärte er seiner Frau, mit der er seit 1956
verheiratet war. An den Wänden konnte man denn auch die hunderte
Bierdeckel sehen, die er gesammelt hatte. Ein Zimmer weiter hatte
er sich einen Filmvorführraum eingerichtet. Alleine blieb er
in diesen Räumen selten.
Auf den ersten Blick sympathisch war der Pionier des Unterhaltungsfernsehens
vielleicht nicht, wie auch Ehefrau Lonny Kellner-Frankenfeld schrieb:
"Da war ihm sein Gesicht im Wege. Peter sprach von seinem Kalmückenblick,
der schon alle militärischen Vorgesetzten in Rage gebracht
hatte." Er sei kein Frauentyp, resümierte er selbst. "Ich
muss immer erst eine Menge tun, bis ich die Menschen im Griff habe."
Seine besten Witze und Geschichten veröffentlichte er u.a.
in den Büchern "1000 Seiten Albernheiten" (1955),
"Bekenntnisse eines großkarierten Herrn" (1969)
und "Meine besten Witze und Anekdoten" (1972).
1970 wurde er für sein Engagement zugunsten der Aktion Sorgenkind
(Vierunddreißig Millionen Mark Einnahmen) mit dem Bundesverdienstkreuz
ausgezeichnet. 1979 starb Peter Frankenfeld im Alter von fünfundsechzig
Jahren an den Folgen einer Virusinfektion. (völ)
geboren: 31.05.1913 in Berlin, gestorben: 04.01.1979 Hamburg
Moderierte Sendungen:
Eine nette Bescherung (1952), Wer will, der kann (1953), 1:0 für
Sie (NWDR/ARD, 1954/55), Mach mit (ARD, 1955), Bitte recht freundlich!
(ARD, 1956/57), Viel Vergnügen (ARD, 1957/58), Toi, toi toi
(ARD, 1958-61), Heute abend Peter Frankenfeld (ARD, 1958), Dotto
(regional 1959-61), Guten Abend! (ARD, 1960/61), Und Ihr Steckenpferd?
(ARD, 1963-74), Vergissmeinnicht (ZDF, 1964-70), Televisitationen
(ZDF, 1968), Sie und Er im Kreuzverhör (ZDF, 1971/72), Musik
ist Trumpf (ZDF, 1975-78)
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